Ratgeber
Smart Home sichereinrichten
Warum günstige Smart-Home-Geräte ein Risiko fürs Heimnetz sind, wie ein eigenes Netz für sie funktioniert und worauf du beim Kauf achten solltest, besonders bei Kameras.
Smart-Home-Geräte sind praktisch und günstig, und genau darin liegt das Problem: Bei einer Steckdose für zwölf Euro bleibt kein Geld für jahrelange Sicherheitsupdates. Nach zwei Jahren bekommt sie keine mehr, hängt aber weiter in deinem Netz.
Das ist kein Grund, auf Smart Home zu verzichten. Es ist ein Grund, es getrennt aufzustellen. Wie das geht, steht hier.
Wo das Risiko wirklich liegt
Die Sorge ist meist „jemand schaltet mein Licht an". Das wäre halb so wild. Die realen Probleme sind andere:
- Das Gerät als Einstiegspunkt. Ein unsicheres Gerät im selben Netz wie dein Rechner ist ein Brückenkopf. Von dort aus lässt sich weitersuchen: nach Netzwerkfreigaben, dem NAS, dem Router.
- Kameras und Mikrofone. Das Gerät, dessen Missbrauch am unangenehmsten ist. Es gab wiederholt Fälle, in denen Aufnahmen aus Innenraumkameras öffentlich einsehbar waren.
- Geräte als Werkzeug für andere. Gekaperte Haushaltsgeräte werden zu Netzwerken zusammengeschaltet und für Angriffe auf Dritte benutzt. Du merkst davon meist nichts, außer dass dein Internet langsamer wird.
- Daten beim Hersteller. Ein Saugroboter erstellt einen Grundriss deiner Wohnung. Wo dieser Grundriss gespeichert wird, steht in den Nutzungsbedingungen.
Der wichtigste Schritt: eigenes Netz
Wenn du nur eine Sache umsetzt, dann diese. Smart-Home-Geräte gehören nicht ins selbe Netz wie Rechner, NAS und Arbeitsgeräte.
Für die meisten Haushalte reicht das Gäste-WLAN des vorhandenen Routers. Es ist genau dafür gemacht: Geräte darin kommen ins Internet, aber nicht an das Hauptnetz.
- Im Router das Gäste-WLAN aktivieren, eigenen Namen und langes Passwort vergeben
- Prüfen, dass die Option aktiv ist, die Geräte im Gäste-WLAN voneinander trennt
- Alles hineinhängen, was nicht an deine Daten muss: Fernseher, Lampen, Steckdosen, Saugroboter, Sprachassistenten, Wetterstation
- Im Hauptnetz bleiben: Rechner, Notebooks, NAS, Drucker, Handys
Der Haken: Manche Geräte müssen sich beim Einrichten im selben Netz wie das Handy sehen. Dann richtest du sie einmal im Hauptnetz ein und hängst sie danach um, oder wechselst mit dem Handy kurz ins Gäste-WLAN.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Die Sicherheit entscheidet sich vor dem Kauf, nicht danach:
- Update-Zusage. Wie lange verspricht der Hersteller Sicherheitsupdates? Seriöse Anbieter nennen einen Zeitraum. Steht nichts dabei, ist das die Antwort.
- Geht es auch ohne Cloud? Geräte, die lokal funktionieren, sind langlebiger. Wenn der Hersteller den Dienst einstellt, bleiben sie nutzbar. Das ist mehrfach passiert, und dann wird aus dem Thermostat Elektroschrott.
- Wo werden Daten verarbeitet? Bei Kameras und Sprachassistenten der entscheidende Punkt.
- Erzwingt das Gerät ein eigenes Passwort bei der Einrichtung? Geräte mit fest eingebautem Standardpasswort sind ein Warnsignal.
- Zwei-Faktor-Anmeldung für die zugehörige App, besonders bei Kameras und Türschlössern.
Kameras: besondere Sorgfalt
Hier lohnt sich mehr Aufwand als bei einer Lampe.
- Eigenes, langes Passwort und Zwei-Faktor-Anmeldung für das Konto. Immer.
- Innenraumkameras bewusst platzieren. Schlafzimmer und Bad sind keine guten Orte, auch wenn die App eine Abdeckfunktion hat.
- Lokale Speicherung bevorzugen, wenn möglich. Aufnahmen auf Speicherkarte oder NAS statt beim Hersteller.
- Fernzugriff nur über die App des Herstellers, nicht über eine eigene Portfreigabe im Router. Portfreigaben für Kameras sind ein Klassiker unter den Fehlern.
- Rechtliches: Kameras dürfen nur dein eigenes Grundstück erfassen. Gehweg, Nachbargrundstück oder gemeinsame Zugänge sind tabu, und in Mehrfamilienhäusern ist auch der Eindruck einer Überwachung schon problematisch.
Laufende Pflege. Zweimal im Jahr reicht
Nimm dir zweimal jährlich zwanzig Minuten:
- Updates prüfen, bei allen Geräten und beim Router. Wo möglich, automatische Updates einschalten.
- Aufräumen: Welche Geräte hängen noch im Netz und werden gar nicht mehr genutzt? Die Router-Oberfläche zeigt alle verbundenen Geräte. Was du nicht zuordnen kannst, gehört untersucht.
- Alte Geräte aussortieren, die keine Updates mehr bekommen, oder wenigstens konsequent ins Gäste-WLAN verschieben.
- App-Konten prüfen: Wer hat noch Zugriff? Der Mitbewohner von damals, der Handwerker, dem du mal Zugang gegeben hast?
Und beim Auszug oder Verkauf einer Wohnung: Alle Geräte zurücksetzen und aus den Konten entfernen. Ein Türschloss, das noch mit deiner App verbunden ist, ist für beide Seiten ein Problem.
Häufige Fragen
Reicht das Gäste-WLAN wirklich als Trennung? ?
Für die allermeisten Haushalte ja. Es trennt die Geräte vom Hauptnetz, und mehr braucht es zu Hause selten. Wer es genauer will, arbeitet mit getrennten Netzsegmenten. Das lohnt sich aber erst bei vielen Geräten oder im Betrieb.
Wie lange bekommen Smart-Home-Geräte Updates? ?
Das ist sehr unterschiedlich und wird selten deutlich gesagt. Bei günstigen Geräten sind es oft ein bis zwei Jahre, bei etablierten Herstellern deutlich länger. Frag vor dem Kauf danach. Steht nichts dabei, ist das die Antwort.
Sind Sprachassistenten ein Sicherheitsproblem? ?
Das größere Thema ist Datenschutz, nicht Einbruch: Was wird aufgezeichnet, was verlässt das Haus? Sicherheitstechnisch behandelst du sie wie jedes andere Gerät: ins Gäste-WLAN, Konto mit zweitem Faktor, Updates aktiv.
Darf meine Kamera den Hauseingang filmen? ?
Nur, wenn ausschließlich dein eigener Bereich erfasst wird. Gehweg, Nachbargrundstück oder gemeinsam genutzte Zugänge sind tabu. In Mehrfamilienhäusern ist das schnell heikel. Im Zweifel vorher mit den Nachbarn klären.
Könnt ihr mein Heimnetz einrichten? ?
Ja, das mache ich oft: Gäste-WLAN einrichten, Geräte umhängen, Router absichern, Updates aktivieren. Meist eine Stunde per Fernwartung, ab 45 €. Erstgespräch kostenlos.
Ein Anruf klärt meist in zehn Minuten, ob und wie ich helfen kann. Kostenlos und unverbindlich, ich gehe fast immer selbst ran.