Ratgeber
Alten PC verkaufen: Datenrichtig löschen
Papierkorb leeren und formatieren reicht nicht. Wie du Festplatte, SSD und Smartphone so löschst, dass nichts wiederherstellbar bleibt, und was bei defekten Geräten gilt.
Ein gebrauchtes Notebook für 120 Euro verkauft, und der Käufer findet darauf die Steuerunterlagen, Bewerbungsfotos und den Chatverlauf. Klingt konstruiert, passiert aber regelmäßig. Untersuchungen von Gebrauchtgeräten finden immer wieder Daten der Vorbesitzer.
Der Grund: Was wir „löschen" nennen, entfernt die Daten nicht. Hier steht, was tatsächlich hilft, je nach Gerät unterschiedlich.
Warum Löschen und Formatieren nicht reichen
Stell dir die Festplatte wie ein Buch mit Inhaltsverzeichnis vor. Beim Löschen einer Datei wird nur der Eintrag im Inhaltsverzeichnis gestrichen. Die Seiten bleiben stehen, bis etwas anderes darübergeschrieben wird.
Ein Wiederherstellungsprogramm durchsucht einfach alle Seiten und findet die Inhalte. Solche Programme sind kostenlos und in fünf Minuten bedient, dafür braucht niemand Spezialwissen.
Schnellformatierung macht dasselbe, nur für die ganze Platte: neues Inhaltsverzeichnis, alte Seiten unangetastet.
Genau deshalb kann ich bei Datenrettungen oft noch etwas holen, obwohl der Kunde „alles gelöscht" hat. Was in dem Fall gut ist, ist beim Verkauf das Problem.
SSD und moderne Notebooks: Verschlüsselung nutzen
Bei SSDs funktioniert mehrfaches Überschreiben schlecht. Sie verteilen Schreibvorgänge intern, sodass man gar nicht sicher an alle Speicherzellen kommt. Zusätzlich nutzt es die Zellen ab.
Der bessere Weg nutzt aus, dass moderne Systeme ohnehin verschlüsseln:
- Prüfen, ob die Verschlüsselung aktiv ist. Bei Windows heißt sie BitLocker oder „Geräteverschlüsselung", bei macOS FileVault. Falls sie aus ist: jetzt einschalten und warten, bis sie durchgelaufen ist.
- Dann das Gerät zurücksetzen und dabei die Option wählen, die Daten vollständig entfernt (bei Windows: „Dateien vollständig bereinigen").
Beim Zurücksetzen wird der Schlüssel verworfen. Was auf der SSD noch steht, ist danach ein Datensalat ohne Schlüssel. Technisch nicht mehr lesbar. Das ist sicherer und schneller als jedes Überschreiben.
Klassische Festplatten: überschreiben
Bei drehenden Festplatten funktioniert Überschreiben zuverlässig, weil man tatsächlich jede Stelle erreicht.
- Ein einmaliges vollständiges Überschreiben mit Nullen reicht nach heutigem Stand aus. Die alte Empfehlung mit sieben oder fünfunddreißig Durchgängen stammt aus der Zeit sehr viel geringerer Datendichte.
- Windows bietet das über die vollständige (nicht schnelle) Formatierung. Es gibt außerdem kostenlose Werkzeuge, die man von einem USB-Stick startet.
- Rechne mit mehreren Stunden bei großen Platten. Das läuft nebenbei, aber nicht in fünf Minuten.
Smartphone und Tablet
Bei aktuellen Geräten ist der Speicher ab Werk verschlüsselt, das macht es einfach, aber die Reihenfolge ist wichtig:
- Erst Daten sichern. Danach ist nichts mehr zu holen.
- Konten abmelden, bevor du zurücksetzt. Bei iPhones „Wo ist?" ausschalten und aus der iCloud abmelden, bei Android das Google-Konto entfernen.
- Dann erst zurücksetzen auf Werkseinstellungen.
- SIM-Karte und Speicherkarte entnehmen. Speicherkarten sind meist unverschlüsselt. Die gehören separat gelöscht oder behalten.
Der zweite Punkt ist entscheidend: Ein zurückgesetztes Gerät, das noch mit einem Konto verknüpft ist, hängt in der Aktivierungssperre fest. Der Käufer kann es nicht nutzen, und du musst dich erneut damit befassen.
Defekte Geräte
Wenn der Rechner nicht mehr startet, kannst du nichts mehr löschen. Die Daten sind trotzdem noch da und oft auslesbar.
- Festplatte ausbauen und behalten. Das ist meist mit ein paar Schrauben erledigt. Das Gerät kann dann ohne Bedenken entsorgt werden.
- An einem anderen Rechner anschließen und dort löschen, wenn die Platte selbst noch funktioniert.
- Physisch zerstören, wenn die Platte defekt ist: bei drehenden Platten mehrere Löcher durch das Gehäuse, bei SSDs die Speicherchips zerstören. Das klingt drastisch, ist aber der einzige sichere Weg.
Auf keinen Fall: das Gerät „so" beim Wertstoffhof abgeben und hoffen. Ausgemusterte Geräte landen häufiger im Gebrauchtmarkt, als man denkt.
Kurz zusammengefasst
- Vorher sichern. Was weg ist, ist weg
- Konten abmelden, bevor zurückgesetzt wird
- SSD/Handy: Verschlüsselung an, dann zurücksetzen
- Klassische Festplatte: einmal vollständig überschreiben
- Defekt: Datenträger ausbauen oder zerstören
- Speicherkarten nicht vergessen
- Aufkleber mit Seriennummern entfernen, wenn du privat verkaufst
Häufige Fragen
Reicht es, den Papierkorb zu leeren? ?
Nein. Dabei wird nur der Verweis auf die Datei entfernt, der Inhalt bleibt auf dem Datenträger, bis er überschrieben wird. Kostenlose Wiederherstellungsprogramme finden solche Dateien in Minuten.
Muss ich eine SSD mehrfach überschreiben? ?
Nein, das ist bei SSDs sogar der schlechtere Weg. Sie verteilen Schreibvorgänge intern, sodass man nicht an alle Zellen kommt. Besser: Verschlüsselung einschalten und dann zurücksetzen. Damit ist der Schlüssel weg und der Rest wertlos.
Wie lösche ich ein Handy sicher? ?
Erst Daten sichern, dann alle Konten abmelden (bei iPhones auch „Wo ist?" ausschalten), dann auf Werkseinstellungen zurücksetzen. SIM- und Speicherkarte vorher entnehmen.
Was mache ich mit einer defekten Festplatte? ?
Wenn du sie nicht mehr an einem anderen Rechner löschen kannst, hilft nur physische Zerstörung: bei drehenden Platten mehrere Löcher durchs Gehäuse, bei SSDs die Speicherchips zerstören.
Macht ihr das auch? ?
Ja, Datenlöschung vor Verkauf oder Entsorgung gehört zu meinen Standardaufgaben. Auf Wunsch mit schriftlicher Bestätigung, was gelöscht wurde. Das ist besonders für Betriebe und Vereine relevant.
Ein Anruf klärt meist in zehn Minuten, ob und wie ich helfen kann. Kostenlos und unverbindlich, ich gehe fast immer selbst ran.