Die sichere Kinder-Smartwatch in sechs Bildern
Stell dir vor, die Kinder-Smartwatch ist ein kleines Haus am Handgelenk deines Kindes, und du legst fest, wer klingeln darf, wer einen Schlüssel bekommt und welche Fenster offen stehen.
1Wer darf klingeln?
Lege in der Eltern-App fest, wer dein Kind anrufen und ihm schreiben darf. Am besten nur Kontakte, die du ausgewählt hast.
2Ein gutes Schloss für den Elternschlüssel
Sichere das Konto der Eltern-App mit einem starken Passwort und, wenn möglich, mit Zwei-Faktor-Anmeldung. Eine Tastensperre schützt die Uhr, wenn sie verloren geht.
3Fenster nur bei Bedarf öffnen
Ortung, Bewegungsmuster und Kamera schaltest du einzeln ab, wenn die Uhr das erlaubt. Du machst sie nur an, wenn du sie wirklich brauchst.
4Wer repariert das Dach?
Frag vor dem Kauf, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates garantiert. Bekommt die Uhr keine Updates mehr, solltest du sie laut BSI nicht weiter nutzen.
5Kein heimlicher Lauscher
Lässt sich über die App unbemerkt mithören, was um dein Kind herum gesprochen wird, ist die Uhr in Deutschland verboten. So ein Gerät gehört vernichtet und nicht in den Hausmüll.
6Vor dem Auszug leer räumen
Bevor du die Uhr weitergibst, löschst du das Konto in der App und setzt die Uhr auf Werkseinstellungen zurück. Das BSI fand bei allen drei Uhren Schwächen beim Außerbetriebnehmen.
Das kleine Haus wird erst sicher, wenn du festlegst, wer klingeln darf und welche Fenster offen bleiben.
Alle Einzelheiten stehen ausführlich weiter unten. Zum ausführlichen Teil
Eine Kinder-Smartwatch kennt Standort, Kontakte und Nachrichten deines Kindes. In einem Bericht vom Oktober 2026 hat das BSI drei Modelle untersucht. Bei keinem ließ sich eine sichere Grundeinstellung festlegen, die Kinder nicht umgehen können. Frag vor dem Kauf nach der Update-Dauer, beschränke danach Kontakte und Funktionen und nutze keine Uhr mehr, die keine Updates bekommt.
Du kaufst deinem Kind eine Smartwatch, damit du es erreichen kannst und weißt, wo es ist. Genau diese Funktionen machen die Uhr heikel. Sie verarbeitet Standortdaten, Telefonate, Nachrichten und je nach Modell auch Fotos. Diese Daten gehören zu den sensibelsten, die es über dein Kind gibt.
Am 19. Oktober 2026 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einen Bericht über Kinder-Smartwatches veröffentlicht. Geprüft wurden drei Uhren aus verschiedenen Preisklassen samt Eltern-App. Das Ergebnis ist kein Grund zur Panik. Es zeigt aber, dass die Uhr ab Werk nicht von allein sicher ist. Wie sicher sie wird, hängt stark davon ab, was du vor dem Kauf fragst und wie du sie einrichtest.
Meine Empfehlung: Kauf nur eine Uhr, deren Hersteller dir eine klare Update-Dauer nennt, und nimm dir nach dem Auspacken Zeit für die Einstellungen unten.
Was das BSI gefunden hat
Laut Bericht, über den unter anderem das Linux-Magazin ausführlich berichtet, fielen bei den drei Uhren vier Dinge auf:
- Keine sichere Grundeinstellung: Bei keinem Modell ließ sich eine sichere Konfiguration festlegen, die Kinder nicht umgehen können.
- Teils unverschlüsselt: Zwei der drei Uhren übertrugen Daten teilweise unverschlüsselt. Unverschlüsselt heißt: Wer an der Leitung mitliest, kann den Inhalt lesen.
- Keine Updates mehr: Ein Modell, das schon im Abverkauf war, kann keine Updates für seine Software mehr erhalten.
- Schwaches Aufräumen: Beim Außerbetriebnehmen, also beim Löschen und Zurücksetzen, hatten alle drei Uhren Mängel.
Die Hersteller haben laut BSI offen mit den Prüfern zusammengearbeitet. Das habe die Sicherheit solcher Uhren vorangebracht. Der Test betrifft nur drei Modelle. Er zeigt aber, worauf du bei jeder Kinderuhr achten solltest.
Sechs Fragen vor dem Kauf
Viele Schutzfunktionen helfen nur, wenn die Uhr sie überhaupt anbietet. Deshalb gehören diese Fragen vor den Kauf. Sie stammen aus den Empfehlungen des BSI:
- Wie lange gibt es Sicherheitsupdates? Steht das nicht auf der Herstellerseite, frag nach. Das BSI sagt klar: Bekommt eine Smartwatch keine Updates mehr, sollte sie nicht länger genutzt werden.
- Wie wird das Eltern-Konto geschützt? Ideal ist eine Zwei-Faktor-Anmeldung, also Passwort plus ein zweiter Code. Ein starkes Passwort ist Pflicht.
- Gibt es eine Tastensperre? Sie schützt die Inhalte, wenn die Uhr verloren geht oder gestohlen wird.
- Kannst du festlegen, wer anrufen und schreiben darf?
- Lassen sich Ortung, Bewegungsmuster und Kamera einzeln abschalten?
- Was sagen unabhängige Stellen? Das BSI nennt Verbraucherorganisationen und unabhängige Prüfinstitute als vertrauenswürdige Quellen.
Faustregel: Bekommst du auf die Frage nach der Update-Dauer keine klare Antwort, nimm ein anderes Modell.
So richtest du die Uhr ein
Diese Schritte gehen bei den meisten Uhren in der Eltern-App. Die genauen Menüs heißen je nach Hersteller anders.
- Zu Hause koppeln. Verbinde Uhr und Handy in einer vertrauten Umgebung, etwa in deinem Heimnetz. Das empfiehlt das BSI für alle Wearables, damit niemand die Kopplung abfängt.
- Konto absichern. Vergib für die Eltern-App ein langes, eigenes Passwort und schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein, falls es sie gibt. Wie das bequem klappt, steht in Passwort-Manager und 2FA einrichten.
- Kontakte beschränken. Erlaube Anrufe und Nachrichten nur von Nummern, die du selbst eingetragen hast.
- Tastensperre einschalten. Ersetze voreingestellte Codes durch eigene.
- Funktionen abschalten. Ortung, Bewegungsmuster und Kamera nur einschalten, wenn du sie wirklich brauchst.
- Updates einschalten. Aktiviere automatische Updates und installiere neue Versionen sofort.
- Rechte der App prüfen. Sieh nach, worauf die Eltern-App auf deinem Handy zugreift, und streiche, was sie nicht braucht. Prüf das nach jedem Update erneut, denn Updates können Rechte ändern.
Die Uhr ist ein Gerät im Internet der Dinge wie eine smarte Steckdose oder Kamera. Die Grundregeln dafür findest du in Smart Home sicher einrichten.
Heimliches Mithören ist verboten
Manche Kinderuhren lassen sich über die Eltern-App so steuern, dass man unbemerkt hört, was um das Kind herum gesprochen wird. Laut Bundesnetzagentur sind solche Uhren in Deutschland verboten.
Prüf vor dem Kauf die Produktbeschreibung und die Datenschutzhinweise der App. Achte darauf, ob Aufnahmen für andere erkennbar sind, etwa durch ein Licht oder einen Ton, und ob sich Mikrofon oder Kamera heimlich von außen einschalten lassen.
Hast du schon so ein Gerät, darfst du es laut Bundesnetzagentur nicht einfach in den Hausmüll werfen. Es muss vernichtet werden. Als Nachweis schickst du der Behörde den Vernichtungsnachweis einer Abfallstelle oder ein Foto oder Video der Vernichtung. Fragen beantwortet sie unter spionagegeraete@bnetza.de.
Weitergeben oder verkaufen: erst leer räumen
Uhren wandern oft an jüngere Geschwister oder in den Kleinanzeigenmarkt. Gerade beim Löschen hat das BSI bei allen drei Modellen Schwächen gefunden. Geh deshalb gründlich vor:
- Uhr in der Eltern-App entfernen und das Familien- oder Kinderkonto löschen.
- Uhr auf Werkseinstellungen zurücksetzen.
- SIM-Karte herausnehmen, wenn die Uhr eine hat.
- Danach in der App prüfen, ob die Uhr wirklich nicht mehr auftaucht.
Das gleiche Prinzip gilt für alte Rechner: Alten PC verkaufen und Daten richtig löschen.
Was die Einstellungen nicht lösen
Gute Einstellungen senken das Risiko deutlich. Sie reparieren aber keine Fehler, die beim Hersteller liegen. Schickt eine Uhr Daten unverschlüsselt durchs Netz, ändert daran kein Schalter in der App etwas. Und eine Uhr, die keine Updates mehr bekommt, wird mit der Zeit nicht sicherer. Dann hilft nur ein Modell mit Update-Zusage.
Die Uhr ersetzt außerdem nicht das Gespräch mit deinem Kind. Erklär ihm, warum es die Uhr nicht zurücksetzen und keine fremden Nummern eintragen soll.
Dein nächster Schritt: Öffne heute die Eltern-App und geh die Liste oben durch. Wenn du dabei hängst oder vor dem Kauf eine zweite Meinung willst, ruf mich an: 0175 7107525.
Quellen
- BSI: Pressemitteilung zu Kinder-Smartwatches (19.10.2026)
- BSI: Bericht IT-Sicherheit auf dem digitalen Verbrauchermarkt, Fokus Kinder-Smartwatches
- BSI: Wearables sicher nutzen
- Bundesnetzagentur: Vorsicht beim Kauf smarter Weihnachtsgeschenke (2023)
- Bundesnetzagentur: Spionagegeräte im Alltag
- Linux-Magazin: BSI findet Mängel in Kinder-Smartwatches
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