Steuerungen von Kühlung, Heizung oder Stromerzeugung sollten nie direkt aus dem Internet erreichbar sein. Fernzugriff gehört hinter ein VPN mit zweitem Faktor, und Updates kommen zügig drauf. Das empfiehlt das BSI seit dem 13. Oktober 2026 ausdrücklich auch kleinen Betrieben.
Die Kühltheke in der Metzgerei, die Heizung im Vereinsheim, die Solaranlage auf dem Werkstattdach: Viele dieser Anlagen lassen sich heute bequem per App oder Browser steuern. Oft hat das der Installateur bei der Inbetriebnahme so eingerichtet, damit er bei einer Störung schnell nachsehen kann. Was dabei genau ins Internet geöffnet wurde, weiß hinterher meist niemand mehr.
Genau das ist jetzt ein Thema. In der Nacht zum 12. Oktober 2026 haben Angreifer in Frankreich vernetzte Kühl- und Gefriergeräte in Supermärkten in den Abtaumodus geschaltet. Die Geräte heizten sich laut Bericht auf rund 50 Grad auf, Ware musste weggeworfen werden. Einen Tag später hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Empfehlung veröffentlicht, die sich ausdrücklich an Betreiber kleiner Anlagen richtet.
Hier liest du, was das BSI rät, wie du bei dir nachschaust und welche Fragen du deinem Installateur oder Wartungsdienst stellen solltest.
Was in Frankreich passiert ist
Betroffen waren nach Angaben der französischen Handelsketten mehr als 200 Filialen, unter anderem von Intermarché und Carrefour. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Hersteller der Kühlsteuerungen spricht von einer begrenzten Zahl betroffener Kühlsysteme, überwiegend ältere Produkte.
Wie die Angreifer genau hineingekommen sind, ist noch nicht offiziell geklärt. Für dich ist das auch nicht entscheidend. Wichtig ist das Muster dahinter: Eine Steuerung, die aus dem Internet erreichbar ist, kann von jedem angesprochen werden, der sie findet. Das BSI schreibt dazu, ein solcher Angriff könne jedes Land treffen und jederzeit Nachahmer finden.
Steuerung, kurz erklärt: Gemeint ist der kleine Computer, der deine Anlage regelt. Er hält zum Beispiel die Temperatur im Kühlraum, schaltet die Heizung oder steuert den Wechselrichter der Solaranlage. Fachleute nennen das OT, also Betriebstechnik, im Unterschied zur Büro-IT.
Betrifft mich das überhaupt?
Das BSI richtet seine Empfehlung an Betreiber kleiner industrieller oder vergleichbarer Anlagen. Als Beispiele nennt es die Kühlung von Lebensmitteln, die Stromerzeugung und die Wasseraufbereitung. Du solltest weiterlesen, wenn eine dieser Fragen mit Ja beantwortet wird:
- Kannst du eine Anlage in deinem Betrieb, Verein oder Haus von unterwegs per App oder Browser sehen oder steuern?
- Schaut sich ein Wartungsdienst deine Anlage aus der Ferne an, ohne vorbeizukommen?
- Hat bei der Einrichtung jemand etwas am Router geändert, damit die Anlage von außen erreichbar ist?
Gerade der dritte Punkt ist heikel. Eine sogenannte Portfreigabe öffnet ein Gerät dauerhaft für das ganze Internet. Das ist bequem, aber genau der direkte Zugriff, den das BSI unterbinden will.
Was das BSI konkret empfiehlt
Die Empfehlung heißt Cybersicherheitsempfehlung BSI-CS 154 und trägt den Titel Gefährdung durch internet-verbundene OT-Systeme. In der Pressemitteilung fasst das BSI die wichtigsten Maßnahmen so zusammen:
- Direkten Zugriff aus dem Internet unterbinden. Das soll laut BSI zuallererst passieren.
- Fernzugriff nur über VPN und mit zweitem Faktor. Ein VPN ist ein verschlüsselter Tunnel, durch den nur berechtigte Personen ins Netz kommen. Der zweite Faktor ist zum Beispiel ein Code aus einer App zusätzlich zum Passwort.
- Systeme aktuell halten. Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen zügig einspielen.
- Prüfen, ob Geräte offen erreichbar sind, und gezielt gegensteuern.
- Das Ganze zur Routine machen. Einmal prüfen reicht nicht.
Das BSI nennt diese Maßnahmen naheliegend und unkompliziert. Das stimmt, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Dabei helfen dir die nächsten Schritte.
So prüfst du deinen Router selbst
Der Router ist die Tür zwischen deiner Anlage und dem Internet. Dort siehst du, was nach außen geöffnet ist. Am Beispiel einer Fritzbox:
- Melde dich an der Oberfläche des Routers an, bei der Fritzbox über
fritz.boxim Browser. - Öffne den Bereich Internet und dann Freigaben.
- Schau dir jede Portfreigabe an. Notiere, zu welchem Gerät sie gehört und wer sie eingerichtet hat.
- Erkennst du ein Gerät der Kühlung, Heizung, Lüftung oder Solaranlage, frag beim Installateur nach, bevor du etwas löschst. Sonst fällt im Zweifel die Störmeldung aus.
- Prüfe in der Liste der Geräte im Heimnetz, ob die Anlage im gleichen Netz hängt wie Kassen-PC, Büro-Laptop und Gäste. Besser ist ein eigenes Netz, mindestens aber das Gastnetz der Fritzbox.
Wie du die Fritzbox grundsätzlich sicher aufstellst, erklärt unser Ratgeber Fritzbox optimal einrichten. Bei anderen Routern heißen die Menüs ähnlich, meist Portweiterleitung oder NAT.
Fünf Fragen an deinen Installateur oder Wartungsdienst
Viele Anlagen werden von einer Fachfirma betreut, die auch den Fernzugang eingerichtet hat. Stell ihr diese Fragen und lass dir die Antworten schriftlich geben:
- Ist unsere Anlage direkt aus dem Internet erreichbar, ja oder nein?
- Wie greift ihr aus der Ferne zu? Über ein VPN, über ein Portal des Herstellers oder über eine Portfreigabe?
- Ist das Standardpasswort der Steuerung geändert, und ist ein zweiter Faktor aktiv?
- Bekommt die Steuerung noch Sicherheitsupdates vom Hersteller, und wann wurde das letzte eingespielt?
- Wer hat bei euch Zugang, und wie erfahren wir, wenn sich jemand anmeldet?
Eine seriöse Firma beantwortet das ohne Ausweichen. Worauf es bei Fernwartung allgemein ankommt, steht in unserem Ratgeber Wie sicher ist Fernwartung?.
Zugänge und Passwörter in Ordnung bringen
Auch wenn der Fernzugang künftig über ein VPN läuft, bleibt die Anmeldung an der Anlage selbst ein Schwachpunkt. Diese Punkte kannst du sofort angehen:
- Standardpasswörter ersetzen. Jede Steuerung, jede App und jedes Portal bekommt ein eigenes, langes Passwort.
- Zweiten Faktor einschalten, wo das Portal oder die App es anbietet.
- Zugänge aufräumen. Ehemalige Mitarbeiter, frühere Dienstleister und Testkonten haben dort nichts mehr zu suchen.
- Passwörter zentral ablegen, damit im Notfall jemand anderes als der Chef reinkommt.
Wie das mit wenig Aufwand klappt, zeigt unser Ratgeber Passwort-Manager und 2FA einfach erklärt. Für Geräte im Privathaus wie Heizung oder Wallbox gelten dieselben Grundsätze wie beim Smart Home.
Was dieser Ratgeber nicht löst
Ehrlich gesagt: Eine Steuerung, die vom Hersteller keine Updates mehr bekommt, wird durch ein VPN sicherer, aber nicht wieder neu. Ob sich ein Austausch lohnt, kann nur die Fachfirma für Kälte, Heizung oder Solar beurteilen. Auch die Regeltechnik selbst, also Temperaturen, Zeitpläne und Alarme, ist Sache des Installateurs.
Was du in der Hand hast, ist die Tür davor. Router, Netz, Zugänge und Passwörter sind klassische IT. Genau dort lassen sich die Empfehlungen des BSI am schnellsten umsetzen.
Dein nächster Schritt: Öffne heute die Freigaben in deinem Router und schick deinem Installateur die fünf Fragen von oben. Wenn du beim Prüfen von Router, Netz und Zugängen Unterstützung möchtest, melde dich bei KapFixIT in Dortmund unter 0175 7107525.
Quellen
- BSI: Pressemitteilung vom 13.10.2026, BSI rät dringend zur Absicherung vernetzter Steuerungssysteme
- Allianz für Cyber-Sicherheit: BSI-CS 154, Gefährdung durch internet-verbundene OT-Systeme
- ZDFheute: Frankreich, Hacker legen Kühlanlagen in Supermärkten lahm
Ein Anruf klärt meist in zehn Minuten, ob und wie ich helfen kann. Kostenlos und unverbindlich, ich gehe fast immer selbst ran.